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Datum des Berichts:   31.12.2009
Berichtnummer:   42
Autor:   Dr. Markus Zehringer

Wildpilze / Gammaspektrometrie

(Download als PDF)

Anzahl untersuchte Proben: 18          beanstandet: 0
Ausgangslage
Nebst den Nährstoffen nehmen Pilze auch Fremdstoffe durch ihr Mycelium aus dem Boden auf. Schwermetalle und radioaktives Cäsium werden dabei im Fruchtkörper angereichert und können zu Überschreitungen von Toleranz- bzw. Grenzwerten führen. Wildpilze eignen sich deshalb gut für ein Umweltmonitoring auf Schwermetalle und Radionuklide. Als Folge des Reaktorbrands von Tschernobyl können Wildpilze aus der Region immer noch Belastungen mit radioaktivem Cäsium aufweisen. Rotwild und Wildschweine akkumulieren Cäsium zusätzlich durch den Verzehr von Wildpilzen.   

 


Maronenröhrling

Untersuchungsziele
Wie gross ist die Belastung von Wildpilzen mit radioaktiven Rückständen?

Gesetzliche Grundlagen
Fremd- und Inhaltsstoffverordnung (FIV), Liste 6

Parameter              Beurteilung 
Cäsiums-Isotope: 134Cs, 137Cs        600 Bq/kg (Toleranzwert)
1250 Bq/kg (Grenzwert)
Radionuklide der Gruppe 1:
224Ra, 228Th, 234U, 235U, 238U

50 Bq/kg TS (Summen-Grenzwert)

Radionuklide der Gruppe 2:
210Pb, 210Po, 226Ra, 228Ra,
230Th, 232Th, 231Pa
 5 Bq/kg TS (Summen-Grenzwert)


Probenbeschreibung

Pilz /Herkunft            Anzahl Proben
Maronenröhrlinge Kt. Jura 

10

Diverse Nichtspeisepilze 

8

Total

18

Das Kantonale Laboratorium Jura sammelte zehn Proben Maronenröhrlinge (Braunkappen) zur Untersuchung mit Gammaspektrometrie. Die diversen Nichtspeisepilze waren grüngelber Ritterling, Kompost-Champignons, Satansröhrlinge, Karbol-Champignons, falscher Eierschwamm, Albino Riesenträuschling, blasshäutiger Röhrling und spitzschuppiger Schirmling und stammten von ausgemusterten Pilzchargen der Pilzkontrolle Basel-Stadt.

Prüfverfahren
Für die gammaspektrometrische Untersuchung der Pilze wurden die Proben homogenisiert. Die Proben wurden dann unter kalibrierten, geometrischen Bedingungen mit dem Gammaspektrometer ausgezählt. Nebst den Cäsiumnukliden 134Cs und 137Cs (Radiocäsium) interessierten aufgrund ihres höheren Radiotoxizitätspotentials natürliche Radionuklide, wie z. B. Nuklide des Radium, Polonium, Thorium oder des Uran.

Ergebnisse
Bei einem Maronenröhrling (Boletus badius) war mit 1316 Bq/kg der Grenzwert der Cäsiumnuk-lide von 1250 Bq/kg überschritten. Durchschnittlich betrug die Cäsiumaktivität 225 Bq/kg bei Maronenröhrlingen bzw. 0.8 Bq/kg bei den übrigen Wildpilzen. Die Maronenröhrlinge wie auch Steinpilze und Semmelstoppelpilze reichern bekanntlich Radiocäsium an. Wie aus der nachfol-genden Tabelle ersichtlich ist werden die einwertigen Radionuklide 40K und 137Cs in den Maronenröhrlingen deutlich stärker an als in anderen Pilzen angereichert. Beim Radium und den Aktiniden ist der Effekt weniger deutlich zu sehen. Bei den natürlichen Radionukliden der Gruppe 2 dominiert das Blei-210. Bei drei von 18 Wildpilzen ist der Grenzwertwert für Radionuklide der Gruppe 1 (50 Bq/kg) deutlich überschritten, wobei nur zwei der Pilze Speisepilze waren. Bei sieben von 18 Wildpilzen wird der Grenzwert für Radionuklide der Gruppe 2 (5 Bq/kg) überschritten, wovon fünf Pilze Maronenröhrlinge, also Speisepilze, waren.

Durchschnittswerte der wichtigsten Radionuklide

Pilzart

40K

137Cs 

∑ Gruppe 1

∑ Gruppe 2

Maronenröhrlinge    252 ± 242     225 ± 399      211 ± 201   

   101 ± 86    

 Andere Pilze

156 ±   88

1.1 ±  0.5

  59  ± 104 

202  ± 236

Als Aktivitätswert wurde bei den Radionukliden mit grösserem statistischem Messfehler (210Pb und natU) der Minimumwert des statistischen Vertrauensintervalls statt des Mittelwertes verrechnet. (Bei der Verlängerung der Messzeit nimmt aufgrund der besseren Statistik des Untergrundes der Messwert ab).

Schlussfolgerungen
Eine Verzehrsmenge von 1 kg Maronenröhrlingen pro Jahr kann aufgrund der mittleren 210Pb-Aktivität von 103 Bq/kg zu einer Jahresdosis von maximal ca. 0.1 mSv führen, also 10% der zugelassenen Jahresdosis (1 mSv). Im Vergleich dazu ist die von Radiocäsium verursachte Jahresdosis von 0.005 mSv/a verhältnismässig gering. Die natürlichen Radionuklide sind bei einer Dosisabschätzung also nicht zu vernachlässigen.

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