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Datum des Berichts:   15.12.2009
Berichtnummer:   27
Autor:   Dr. Sylvia Gautsch

Badewasser aus Hallenbädern / Chemische und Mikrobiologische Qualität

(Download als PDF)

Anzahl untersuchte Proben: 200        Zu bemängeln: 16
Mängel:Chemische Parameter (10)
Mikrobiologische Parameter (7)

Ausgangslage und gesetzliche Grundlagen
Schwimm- und Badeanlagen, die nicht ausschliesslich durch eine einzige Familie, sondern durch die Allgemeinheit benützt werden, so genannte Gemeinschaftsbäder, unterliegen einer regelmässigen Überprüfung auf ihre chemische und mikrobiologische Qualität. Hierzu zählen nebst Freibädern (siehe entsprechenden Bericht) Hallenbäder, Schulschwimmbäder, Therapiebäder, Hotelbäder, Saunatauchbecken in öffentlichen Saunaanlagen und Hotels sowie Wellness-Center. Die Untersuchungen erfolgen gemäss SIA-Norm 385/1 „Wasser und Wasseraufbereitungsanlagen in Gemeinschaftsbädern“, Ausgabe 2000. Dabei liegt es in der Verantwortung der Betreiber von Badeanstalten im Rahmen ihrer Selbstkontrolle, die Qualität des Badewassers zu überprüfen bzw. überprüfen zu lassen. Die chemischen Parameter umfassen die Bestimmung des pH-Wertes, der Desinfektionsmittel (freies Chlor, gebundenes Chlor, Ozon) sowie des Harnstoffgehaltes. Da es nicht möglich ist, Badewasser auf die Vielzahl der möglichen Krankheitserreger routinemässig zu untersuchen, wird die Konzentration von sogenannten Indikatorparametern, die ihrerseits auf das Vorhandensein von Krankheitserregern hinweisen können, bestimmt. Diese mikrobiologischen Untersuchungsparameter umfassen die aeroben mesophilen Keime, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa. Bei Warmsprudelbecken und Becken mit aerosolbildenden Kreisläufen kommt der Parameter Legionella pneumophila dazu. Die Bestimmung der Koloniezahl gibt Auskunft über den allgemeinen hygienischen Status der Badebeckenanlage und die Qualität der Aufbereitung. Der Nachweis von Escherichia coli als Fäkalindikator ist ausreichend als Hinweis auf eine fäkale Verunreinigung und kann auf das Vorhandensein von Durchfallerregern hinweisen. Pseudomonas aeruginosa ist ein Erreger Schwimmbad-assoziierter Infektionskrankheiten, vor allem Entzündungen der Haut, Bindehaut und des Aussenohrs. Ihr Vorhandensein weist auf Mängel bei der Filterwartung, auf eine unzureichende Beckenwasserdesinfektion, auf Mängel bei der Reinigung sowie bei der Materialauswahl hin. Legionellen wiederum sind Bakterien, die in geringer Zahl über das Füllwasser eingetragen werden und sich bei nicht ausreichender Desinfektion und Spülung vor allem in den Filtern vermehren können, insbesondere in einem Temperaturbereich zwischen 25-45°C. Da als Hauptinfektionsweg für die sogenannte Legionellose (Grippe-ähnliche Krankheitsbilder bis zu schweren atypischen Lungenentzündungen) das Einatmen Legionellen-haltiger Aerosole gilt, ist dieser Parameter für die Kontrolle von Warmsprudelbecken und Becken mit aerosolbildenden Kreisläufen vorgesehen.

Folgende Anforderungen an das Beckenwasser gelten:


Legende: KbE = Koloniebildende Einheit; n.n. = nicht nachweisbar

Probenbeschreibung und Untersuchungsziele
Von Dezember 2008 bis November 2009 wurden 200 Proben Beckenwasser in 25 verschiedenen Hallenbädern erhoben. Mit Ausnahme der Untersuchung auf Harnstoff erfolgte die Bestimmung der chemischen Parameter vor Ort. Mikrobiologisch erfolgte die quantitative Untersuchung auf aerobe mesophile Keime, Escherichia coli  (Fäkalindikator) und Pseudomonas aeruginosa (Er¬reger von Bindehaut- und Ohrentzündungen) und wo erforderlich auf Legionella pneumophila (Erreger von grippalen Infekten und schweren Lungenentzündungen).

Ergebnisse
142 Proben (71%) erwiesen sich bezüglich ihrer chemischen und mikrobiologischen Qualität als einwandfrei, 42 Proben (21%) als tolerierbar (Werte innerhalb des Toleranzbereiches) und 16 Proben (8%) aus 12 Hallenbädern als ungenügend (Werte ausserhalb der Toleranzwerte). 7-mal wurden die mikrobiologischen Anforderungen nicht eingehalten, wobei keine Probe mit unerwünschten Keimen belastet waren. So war in allen 7 Proben die Anzahl an aeroben mesophilen Keimen zu hoch. Die chemischen Anforderungen wurden 10-mal nicht eingehalten. In je einer Probe war der Gehalt an freiem Chlor zu niedrig bzw. zu hoch. In zwei Proben lag der pH-Wert unter, in 5 Proben über dem Toleranzwert. In einer Probe war der Ozongehalt zu hoch. In zwei Proben lag der Harnstoffgehalt über dem Richtwert.

Ergebnisse im 6-Jahresvergleich (2004-2009)

Bei Betrieben mit einem Anteil ungenügender Proben von 10 % oder weniger kann die Qualitätssicherung (QS) als gut beurteilt werden. Für Betriebe mit einem Anteil ungenügender Ergebnisse zwischen 10 und 20 % der untersuchten Proben gilt das System als verbesserungswürdig und für Betriebe mit einem Anteil ungenügender Ergebnisse über 20 % als unbefriedigend.

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Badeanstalten, eingeteilt hinsichtlich deren Qualitätssicherung (QS):

Betriebskategorien    

  Total  

  gute QS  

   verbesserungswürdige QS 

  unbefriedigende QS

Öffentliche
Nicht Öffentliche

13
12

10
8

2
-

1
4

Total

25

18

2

5

  
Ergebnisse im 6-Jahresvergleich (2004-2009)

Schlussfolgerungen
Erfreulicherweise ist die Quote der Proben mit einwandfreier Qualität (71 %) in etwa auf dem Vorjahresniveau (72 %) geblieben und die Quote der Proben mit ungenügender Qualität (8 %) gegenüber dem vergangenen Jahr (10 %) sogar leicht gesunken. Ebenso ist die Quote der Betriebe mit unbefriedigender Qualitätssicherung in etwa gleich geblieben. Die Quote der Betriebe mit guter Qualitätssicherung hat sich bei den nicht-öffentlichen Badeanstalten erfreulicherweise stark erhöht. Die Bemühungen der Betreiber haben sich gelohnt und müssen nicht nur weiterhin fortgesetzt, sondern auch mit weiteren Sensibilisierungskampagnen an die Adresse der Badenden ergänzt werden. In jedem Falle sind gemäss SIA-Norm bei Unter- bzw. Überschreiten der Toleranzwerte durch den Betreiber der Anlage geeignete Korrekturmassnahmen zu ergreifen.

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